Ein Gutachter bewertet einen Sachverhalt aufgrund eigener Fachkunde. Die Bezeichnung ist nicht geschützt und setzt keine Prüfung voraus — wer beauftragt, muss die Eignung selbst beurteilen.
Aus der fehlenden Schutzwirkung folgt die praktische Aufgabe: Bei der Auswahl zählt nicht die Selbstbezeichnung, sondern der Nachweis. Drei Punkte sind zu prüfen.
Die eigene Gutachtertätigkeit ist für Planungsbüros ein naheliegendes zweites Standbein — und ein anderes Risiko als die Planung. Bewertet wird ein fremder Bestand, oft ohne Einfluss auf dessen Entstehung, und das Ergebnis wird von Dritten verwendet. Wer diese Tätigkeit aufnimmt, sollte vorher klären, ob sie vom versicherten Berufsbild erfasst ist.
Abgrenzung
Synonyme: Fachgutachter, Bewertungsexperte.
Im Schadenfall gilt eine einfache Regel: Sie beauftragen keinen Gutachter selbst. Die Prüfung eines gegen Sie erhobenen Anspruchs gehört zur Leistung Ihrer Berufshaftpflichtversicherung, und mit ihr die Auswahl. Eigenmächtig veranlasste Kosten werden regelmäßig nicht erstattet — selbst wenn das Gutachten am Ende hilft.
Treten Sie umgekehrt selbst als Gutachter auf, dann klären Sie zwei Dinge schriftlich, bevor Sie beginnen: den Auftragsgegenstand und den Empfängerkreis. Beides begrenzt, wofür und wem Sie einstehen.
Ein Ingenieurbüro wird wegen angeblicher Planungsfehler in Anspruch genommen. Es beauftragt umgehend einen ihm bekannten Kollegen als Gutachter, der die Planung für einwandfrei hält — und stellt dem Versicherer anschließend dessen Rechnung zu.
Zwei Probleme auf einmal. Die Kosten sind ohne vorherige Abstimmung veranlasst und deshalb regelmäßig nicht erstattungsfähig; die Prozessführung lag beim Versicherer. Und das Gutachten selbst hilft weniger als gedacht: Der Kollege war fachlich geeignet, aber als vom Büro beauftragter Privatgutachter erstellt er kein Beweismittel, sondern Parteivortrag. Ein Anruf beim Versicherer vor der Beauftragung hätte beides vermieden — mit derselben fachlichen Einschätzung, nur auf verwertbarem Weg.
Jeder. Die Bezeichnung ist nicht geschützt. Belegt ist die Fachkunde nur bei öffentlich bestellten Sachverständigen, und zwar für das bestellte Sachgebiet.
Auf das passende Sachgebiet, die Rolle im Verfahren und die Unabhängigkeit vom Projekt. Wer daran mitgewirkt hat, ist als Gutachter darüber ungeeignet.
Nur in Abstimmung mit dem Versicherer. Die Anspruchsprüfung gehört zu dessen Leistung; eigenmächtige Beauftragungen werden regelmäßig nicht erstattet.
Nicht automatisch. Sie muss vom versicherten Berufsbild erfasst oder ausdrücklich eingeschlossen sein — zu klären vor dem ersten Auftrag.