Nachhaftung bezeichnet den Versicherungsschutz für Schäden, die auf einem Verstoß während der Vertragslaufzeit beruhen, aber erst nach Vertragsende erkannt oder geltend gemacht werden.
Planungsfehler zeigen sich selten sofort. Eine mangelhafte Abdichtung fällt nach dem ersten strengen Winter auf, ein Statikfehler nach Jahren. Die Nachhaftung schließt die Lücke, die entsteht, weil Vertragsende und Schadeneintritt zeitlich auseinanderfallen.
Warum der Zeitraum so lang sein muss
Mängelansprüche bei Bauwerken verjähren regelmäßig fünf Jahre ab Abnahme (§ 634a BGB). Bei arglistigem Verschweigen verlängert sich die Frist erheblich. Ein Verstoß aus dem letzten Vertragsjahr kann also noch lange nach Vertragsende zu einer Forderung führen.
Die Ausgestaltung unterscheidet sich erheblich
Wichtig: Auch eine unbefristete Nachhaftung entbindet nicht von den Obliegenheiten. Die Pflicht, einen Versicherungsfall unverzüglich nach Kenntnis anzuzeigen, bleibt bestehen — mit teils sehr kurzen Fristen.
Abgrenzung
Synonyme: Nachhaftungszeit, Spätschadendeckung.
Für Ihr Büro wird die Nachhaftung in drei Situationen zur Existenzfrage:
Praktisch heißt das: Prüfen Sie im Bedingungswerk Ihrer Berufshaftpflichtversicherung, ob die Nachhaftung befristet ist, wie lange sie läuft und was beim Wechsel gilt. Und bewahren Sie alte Versicherungsscheine auf — bei einem Schaden nach fünfzehn Jahren ist der Nachweis lückenloser Deckung Ihre Grundlage.
Ein Ingenieur gibt seine Selbstständigkeit auf und kündigt die Berufshaftpflichtversicherung. Sieben Jahre später zeigen sich Risse in einem Bauwerk, das er seinerzeit geplant hat. Der Bauherr macht Schadensersatz geltend.
Sieht der Vertrag eine unbefristete Nachhaftung vor, besteht Versicherungsschutz — der Verstoß fiel in die Laufzeit. War die Nachhaftung auf fünf Jahre befristet, ist sie zu diesem Zeitpunkt abgelaufen, und der Ingenieur haftet persönlich mit seinem Privatvermögen. Derselbe Sachverhalt, zwei völlig verschiedene Ausgänge — entschieden durch eine Klausel, die bei Vertragsabschluss niemanden interessiert hat.
Das hängt vom Bedingungswerk ab. Verbreitet ist eine Frist von fünf Jahren ab Vertragsende; einzelne Konzepte sehen eine unbefristete Nachhaftung vor.
Eine Nachhaftungsregelung gehört zum Standard einer Berufshaftpflichtversicherung. Ihre Dauer und Reichweite unterscheiden sich jedoch erheblich — genau dort lohnt der Vergleich.
In der Sache wenig; die Begriffe werden häufig gleichbedeutend verwendet. Die Nachmeldefrist betont die Meldung, die Nachhaftung den Zeitraum des Schutzes.
Hier entscheidet die Spätschadenklausel des neuen Vertrags. Sie greift regelmäßig nur, wenn seit dem Verstoß lückenlos Versicherungsschutz bestand — und häufig nur mit den Summen des Vorvertrags.
Der Schutz endet nicht mit der letzten Rechnung. Prüfen Sie vor der Kündigung, wie lange die Nachhaftung läuft, und ziehen Sie eine Ruheversicherung in Betracht.