Kumulrisiko ist die Gefahr, dass aus einer Ursache viele Schäden zugleich entstehen. Es ist die Risikoperspektive vor dem Schaden — der Serienschaden ist die vertragliche Behandlung danach.
Im Planungsbüro entsteht Kumul überall dort, wo dieselbe Lösung mehrfach verwendet wird. Was den Arbeitsablauf effizient macht, vervielfältigt im Fehlerfall auch den Schaden:
Die zweite Kumulquelle ist der Großauftrag. Ein Projekt mit vielen Einheiten — Wohnanlage, Quartier, Hotelbau — kann aus einem einzigen Planungsfehler eine Vielzahl von Anspruchstellern hervorbringen. Die Zahl der Betroffenen entscheidet über die Schadenhöhe, nicht die Schwere des Fehlers.
Die Kumulklausel ist die vertragliche Antwort darauf. Sie regelt, wie mehrere Schäden aus einer Ursache behandelt werden — in der Haftpflicht ist sie inhaltlich deckungsgleich mit der Serienschadenklausel: Die Fälle gelten als ein Versicherungsfall, mit einer Deckungssumme und einem Selbstbehalt. Der Begriff wird uneinheitlich verwendet; maßgeblich ist nicht die Überschrift im Bedingungswerk, sondern was darin steht.
Abgrenzung
Synonyme: Kumulgefahr, Schadenhäufungsrisiko.
Der praktische Wert des Begriffs liegt in einer Frage, die sich vor dem Schaden stellen lässt: Wo im eigenen Büro liegt die Vervielfältigung? Wer standardisiert arbeitet, hat ein anderes Risikoprofil als ein Büro mit lauter Einzelentwürfen — bei gleichem Honorarumsatz.
Daraus folgen zwei Konsequenzen. Für die Versicherungssumme: Sie sollte nicht am größten Einzelprojekt bemessen sein, sondern am Vervielfältigungsfall. Für die Organisation: Wiederverwendete Lösungen brauchen eine Freigabe und eine Nachverfolgbarkeit — wer weiß, in welchen Projekten ein Detail steckt, kann bei einem Fehler gezielt prüfen, statt zu warten. Wie sich das auf die Bemessung Ihrer Berufshaftpflichtversicherung auswirkt, gehört zur turnusmäßigen Durchsicht.
Zwei Ingenieurbüros haben denselben Honorarumsatz und dieselbe Versicherungssumme. Das eine plant jedes Jahr zwei individuelle Sonderbauten. Das andere liefert die Tragwerksplanung für einen Fertighaushersteller — dieselbe Grundkonstruktion, achtzig Gebäude im Jahr.
Ein Berechnungsfehler hat für beide völlig verschiedene Folgen. Beim ersten Büro betrifft er ein Bauwerk; die Summe reicht mit hoher Wahrscheinlichkeit. Beim zweiten steckt derselbe Fehler in achtzig Gebäuden, und weil alle auf dieselbe Ursache zurückgehen, bilden sie eine Serie mit einer einzigen Deckungssumme. Schon bei geringen Beträgen je Objekt ist sie ausgeschöpft. Für die Prämie ist der Umsatz maßgeblich, für das tatsächliche Risiko aber die Frage, wie oft dieselbe Lösung verbaut wurde — und diese Frage stellt sich nur, wer sie stellt.
Das Kumulrisiko ist die Gefahr vor dem Schaden, der Serienschaden die vertragliche Behandlung danach.
Die Behandlung mehrerer Schäden aus einer Ursache. In der Haftpflicht entspricht sie inhaltlich der Serienschadenklausel — die Fälle gelten als ein Versicherungsfall.
Bei wiederverwendeten Details, standardisierten Tragwerken, eigenen Rechenhilfen und Modellbibliotheken — und bei Großprojekten mit vielen Einheiten.
Sie sollte am Vervielfältigungsfall bemessen sein, nicht am größten Einzelprojekt.
Nur begrenzt. Innerhalb einer Serie steht die Summe einmal zur Verfügung, unabhängig von der Maximierung.