Die Rückwärtsversicherung erstreckt den Versicherungsschutz auf Verstöße, die vor Beginn des Versicherungsvertrags begangen wurden — vorausgesetzt, sie waren dem Versicherungsnehmer bei Vertragsschluss nicht bekannt.
Beim Verstoßprinzip kommt es darauf an, wann der Fehler passiert ist, nicht wann er auffällt. Wer erst nach einigen Projekten eine eigene Berufshaftpflichtversicherung abschließt, steht deshalb ohne Schutz für alles da, was vorher liegt. Genau diese Lücke schließt die Rückwärtsversicherung.
Voraussetzungen
Drei Instrumente für drei Zeiträume
Daneben steht die Spätschadenklausel, die beim Versichererwechsel greift, wenn die Nachhaftung des Vorversicherers abgelaufen ist. Sie ersetzt die Rückwärtsversicherung nicht, sondern deckt einen anderen Fall ab.
Synonyme: Rückwärtsdeckung, rückwirkender Versicherungsschutz.
Für Ihr Büro ist die Rückwärtsversicherung vor allem in Übergangssituationen relevant — beim Schritt in die Selbstständigkeit, bei der Gründung einer Gesellschaft oder wenn erste Aufträge vor dem Versicherungsabschluss bearbeitet wurden.
Drei Punkte, die dabei entscheiden:
Ob und in welchem Umfang Ihre Berufshaftpflichtversicherung eine Rückwärtsdeckung vorsieht, ergibt sich aus dem konkreten Bedingungswerk. Ausgeschlossen bleiben in jedem Fall vorsätzlich verursachte Schäden und bekannte Verstöße.
Ein Ingenieur macht sich nach zehn Jahren Anstellung selbstständig und schließt seine erste eigene Berufshaftpflichtversicherung ab. Einige Monate zuvor hatte er nebenberuflich ein kleines Bauvorhaben begleitet und dabei eine Berechnung fehlerhaft ausgeführt.
Fällt der Fehler erst nach Versicherungsbeginn auf und war er dem Ingenieur vorher nicht bekannt, kann die Rückwärtsdeckung greifen — sofern der Verstoß in den vereinbarten rückwirkenden Zeitraum fällt. Hätte der Bauherr ihn schon vor Vertragsschluss auf Unstimmigkeiten angesprochen, wäre der Verstoß als bekannt anzusehen, und es bestünde kein Schutz.
Häufig ist sie vorgesehen, aber weder selbstverständlich noch überall gleich weit. Reichweite und Voraussetzungen ergeben sich aus dem Bedingungswerk.
Nicht erst eine erhobene Forderung. Bereits ein Hinweis des Auftraggebers oder die eigene Kenntnis von Unstimmigkeiten kann genügen — der Maßstab ist streng.
Er ist in aller Regel begrenzt. Die konkrete Dauer unterscheidet sich zwischen den Anbietern und sollte vor Vertragsschluss geklärt werden.
Die Rückwärtsversicherung wirkt vor Vertragsbeginn, die Nachhaftung nach Vertragsende. Beide beziehen sich auf denselben Vertrag, aber auf entgegengesetzte Zeiträume.
Vorsätzlich verursachte Schäden und alle Verstöße, die bei Vertragsschluss bereits bekannt waren.