Ein Serienschaden liegt vor, wenn mehrere Schäden auf derselben Ursache beruhen. Sie gelten dann als ein Versicherungsfall — mit einer Deckungssumme, einem Selbstbehalt und einer entscheidenden Folge für die Zeitrechnung.
Die zeitliche Zuordnung ist der Kern. Alle Schäden einer Serie werden dem Zeitpunkt des ersten Falls zugeordnet — unabhängig davon, wann die späteren eintreten oder gemeldet werden. Daraus folgen zwei Konsequenzen, die im Schadenfall schwer wiegen:
Wo Serien entstehen: überall dort, wo dieselbe Lösung mehrfach verwendet wird. Ein wiederverwendetes Anschlussdetail, eine Standardstatik für gleichartige Gebäude, eine fehlerhafte Vorlage in der eigenen Bibliothek. Was Effizienz schafft, schafft zugleich das Vervielfältigungsrisiko.
Die Antwort darauf ist die Maximierung. Eine zweifache Maximierung stellt die Versicherungssumme im Jahr zweimal zur Verfügung — das hilft aber nur bei verschiedenen Serien. Innerhalb einer Serie bleibt es bei einer Summe. Wer standardisiert plant, sollte deshalb weniger auf die Maximierung als auf die absolute Höhe der Summe achten.
Abgrenzung
Synonyme: Reihenschaden, Serienschadenklausel.
Drei Punkte folgen daraus. Erstens bei der Summenwahl: Fragen Sie nicht, was ein einzelner Schaden kosten kann, sondern was passiert, wenn derselbe Fehler in zehn Projekten steckt. Zweitens beim Versichererwechsel: Klären Sie, wie sich Serien behandeln, die vor dem Wechsel begonnen haben — hier greifen Rückwärtsversicherung und Differenzdeckung ineinander.
Drittens im Büroalltag: Wird ein Fehler in einer wiederverwendeten Lösung entdeckt, gehört das gemeldet, bevor die übrigen Bauherren es merken. Ihre Berufshaftpflichtversicherung kann bei einer bekannten Serie ganz anders arbeiten als bei zehn überraschenden Einzelfällen — und die frühe Meldung ist zugleich eine Obliegenheit.
Ein Architekturbüro entwickelt 2019 ein Fassadendetail und setzt es in sieben Projekten ein. 2022 zeigt sich beim ersten Objekt ein Feuchteschaden; bis 2025 folgen fünf weitere. Die Gesamtforderung liegt bei 2,4 Millionen Euro, die Versicherungssumme bei einer Million.
Alle sechs Fälle beruhen auf derselben Ursache und bilden eine Serie. Damit steht die Summe nur einmal zur Verfügung — 1,4 Millionen bleiben beim Büro. Zwei Umstände hätten das verändert. Wäre die Summe schon 2022 höher gewesen, würde sie für die gesamte Serie gelten; eine Erhöhung im Jahr 2024 dagegen wirkt nicht mehr, weil die Serie dem ersten Fall zugeordnet ist. Und hätte das Büro nach dem ersten Schaden das Detail in den übrigen Projekten überprüft, wären einige der späteren Schäden vermeidbar gewesen — nicht die Haftung, aber ihre Höhe.
Wenn mehrere Schäden auf derselben Ursache beruhen — typischerweise ein wiederverwendetes fehlerhaftes Detail oder eine mehrfach eingesetzte Berechnung.
Dem des ersten Falls. Spätere Summenerhöhungen wirken sich auf die Serie nicht mehr aus.
Dann ist regelmäßig der Vorversicherer zuständig — auch für die Schäden, die erst später auftreten.
Nur bei verschiedenen Serien. Innerhalb einer Serie bleibt es bei einer Deckungssumme.
Durch eine Summe, die den Vervielfältigungsfall abbildet, und durch die Prüfung aller Projekte, sobald ein Fehler in einer wiederverwendeten Lösung auffällt.