Definition
Überberechtigungen bezeichnen Zugriffsrechte, die einer Person oder einem System mehr Befugnisse einräumen, als für die jeweilige Aufgabe tatsächlich erforderlich sind, wodurch unnötige Sicherheitsrisiken entstehen, insbesondere im betrieblichen Alltag und im laufenden Betrieb.
Erklärung / Hintergrund
Überberechtigungen entstehen häufig durch nachlässige Rechteverwaltung, etwa wenn Mitarbeitende bei einem Rollenwechsel weiterhin alte Zugriffsrechte behalten oder Systeme standardmäßig mit weitreichenden Berechtigungen eingerichtet werden. Das Prinzip der minimalen Rechtevergabe, häufig als Least Privilege bezeichnet, empfiehlt hingegen, jeder Person oder jedem System nur die tatsächlich benötigten Zugriffsrechte einzuräumen. Überberechtigungen erhöhen das Risiko, dass im Falle eines kompromittierten Kontos Angreifer weitreichenderen Zugriff auf Systeme und Daten erhalten, als eigentlich notwendig wäre.
Für Unternehmen ist relevant, dass Überberechtigungen die potenziellen Auswirkungen eines einzelnen kompromittierten Kontos erheblich vergrößern können.
Für Architektur- und Ingenieurbüros bedeutet dies, dass beispielsweise ein einzelnes kompromittiertes Mitarbeiterkonto mit überzogenen Rechten Zugriff auf sämtliche Projektdaten, Kundendaten oder Finanzinformationen ermöglichen kann, statt nur auf den eigentlich relevanten Bereich.
Überberechtigungen unterscheiden sich von gezielten Angriffstechniken dadurch, dass sie meist eine strukturelle Schwäche in der Rechteverwaltung darstellen, die Angreifern erst im Schadensfall zugutekommt, statt selbst die Ursache eines Angriffs zu sein. Dies zeigt, wie eng die einzelnen Konzepte der Cybersicherheit miteinander verzahnt sind.
Praxisrelevanz
Für Planungsbüros ist die Vermeidung von Überberechtigungen relevant, weil sie das Schadenspotenzial eines einzelnen kompromittierten Kontos erheblich begrenzen kann. Wird beispielsweise nur ein Mitarbeiterkonto mit auf die jeweilige Aufgabe beschränkten Rechten kompromittiert, bleibt der Zugriff auf sensible Projekt- oder Finanzdaten deutlich eingeschränkter, als wenn dieses Konto weitreichende Zugriffsrechte besäße. Ein regelmäßiges Überprüfen und Anpassen von Zugriffsrechten unterstützt eine wirksame Prävention. Auch im Rahmen der Cyberversicherung kann eine saubere Rechteverwaltung Teil der erwarteten Mindestanforderungen an die IT-Sicherheit sein und die Risikobewertung positiv beeinflussen. Ein realistisches Verständnis dieses Zusammenhangs hilft Ihnen zudem, Prioritäten bei der eigenen IT-Sicherheit sinnvoll zu setzen und im Beratungsgespräch zur Cyberversicherung fundierte Fragen zu stellen.
Praxisbeispiel
In einem Ingenieurbüro besitzt ein ehemaliger Praktikant nach Ende seines Praktikums weiterhin Zugriff auf zahlreiche Projektordner, da seine Berechtigungen nicht rechtzeitig entzogen wurden. Als sein privates E-Mail-Konto, über das er sich ursprünglich angemeldet hatte, kompromittiert wird, erhalten Angreifer dadurch auch Zugriff auf sensible Projektdaten des Büros. Der Vorfall zeigt, wie wichtig eine konsequente Verwaltung und regelmäßige Überprüfung von Zugriffsrechten ist, insbesondere beim Ausscheiden von Mitarbeitenden. Der Vorfall wird intern dokumentiert und dient als Grundlage für weitere, gezielte Verbesserungen der eigenen IT-Sicherheit.
FAQ
Was versteht man unter Überberechtigungen?
Überberechtigungen bezeichnen Zugriffsrechte, die über das für eine Aufgabe tatsächlich notwendige Maß hinausgehen und dadurch unnötige Sicherheitsrisiken schaffen.
Was ist das Prinzip der minimalen Rechtevergabe?
Es besagt, dass jeder Person oder jedem System nur die für die jeweilige Aufgabe tatsächlich benötigten Zugriffsrechte eingeräumt werden sollten, um Risiken zu minimieren.
Warum sind Überberechtigungen für Planungsbüros ein Risiko?
Ein einzelnes kompromittiertes Konto mit überzogenen Rechten kann Angreifern Zugriff auf deutlich mehr Projekt-, Kunden- oder Finanzdaten ermöglichen als notwendig.
Wie lassen sich Überberechtigungen vermeiden?
Regelmäßige Überprüfung und Anpassung von Zugriffsrechten, konsequenter Rechteentzug beim Ausscheiden von Mitarbeitenden und die Anwendung des Prinzips minimaler Rechtevergabe helfen dabei.
Welche Rolle spielen Überberechtigungen für die Cyberversicherung?
Eine saubere Rechteverwaltung kann Teil der erwarteten IT-Sicherheitsstandards sein und die Risikobewertung im Rahmen einer Cyberversicherung positiv beeinflussen.
Verwandte Begriffe
• Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) – Ergänzt eine saubere Rechteverwaltung um zusätzlichen Kontoschutz
• Authentifizierung – Grundlage, auf der Zugriffsrechte und deren Kontrolle aufbauen
• Biometrie – Zusätzliches Verfahren zur Absicherung sensibler Zugriffsrechte
• FIDO – Fast Identity Online – Moderner Standard zur sicheren Authentifizierung bei der Rechtevergabe
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