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Selbstbehalt in der D&O-Versicherung | D&O-Glossar

Geschrieben von Bauversicherungsmakler Glossar | Oct 28, 2026, 12:37:02 PM

Definition

Der Selbstbehalt in der D&O-Versicherung ist der Betrag, den die versicherte Person oder das Unternehmen je Versicherungsfall selbst trägt. Für Vorstände einer Aktiengesellschaft schreibt § 93 Abs. 2 S. 3 AktG einen Mindestselbstbehalt zwingend vor.

Erklärung / Hintergrund

Ein Selbstbehalt soll das Organ an den Folgen eigener Fehler beteiligen und kann den Beitrag senken. In der D&O gibt es zwei Formen. Der Selbstbehalt der versicherten Person trifft das Organ unmittelbar und belastet sein Privatvermögen. Der Unternehmensselbstbehalt greift, wenn die Gesellschaft ihr Organ freistellt und dafür Erstattung vom Versicherer verlangt. Dann trägt sie den vereinbarten Eigenanteil.

Pflichtselbstbehalt (§ 93 Abs. 2 S. 3 AktG). Schließt eine AG eine D&O für ihre Vorstandsmitglieder ab, muss sie einen Selbstbehalt von mindestens 10 Prozent des Schadens vorsehen. Die Obergrenze muss mindestens das Eineinhalbfache der festen jährlichen Vergütung betragen. Dieser gesetzliche Selbstbehalt, auch D&O-Pflichtselbstbehalt genannt, gilt nur für den Vorstand einer AG. Für Aufsichtsräte, GmbH-Geschäftsführer und Vereinsvorstände gibt es keine solche Pflicht. Nach den GDV-Musterbedingungen gilt der Pflichtselbstbehalt nicht für die Abwehrkosten.

Bei der GmbH ist ein Selbstbehalt eine Frage der Vereinbarung. Häufig wird für die versicherten Personen kein oder nur ein geringer Selbstbehalt vereinbart, um das Privatvermögen der Geschäftsführer nicht zu belasten. Daneben kann ein Unternehmensselbstbehalt gelten. Ein Organ kann einen persönlichen Selbstbehalt über eine eigene Versicherung absichern. Bezahlt die Gesellschaft diesen Schutz, ist der Beitrag nach herrschender Auffassung Arbeitslohn, weil der Schutz allein dem Organ zugutekommt (Ist die D&O-Prämie ein geldwerter Vorteil?). Beim AG-Vorstand würde das zudem den Zweck des Pflichtselbstbehalts unterlaufen.

Abgrenzung:

  • Selbstbehalt vs. Selbstbehaltsversicherung: Der Selbstbehalt ist der Eigenanteil im Unternehmensvertrag. Die Selbstbehaltsversicherung ist ein eigener Vertrag des Organs, der diesen Eigenanteil abdeckt.
  • Selbstbehalt vs. Sublimit: Der Selbstbehalt bestimmt, was am unteren Ende selbst zu tragen ist. Ein Sublimit begrenzt die Leistung nach oben.
  • D&O vs. Berufshaftpflicht: In der Berufshaftpflicht trägt das Büro den Selbstbehalt je Schadenfall. In der D&O kann er das Organ persönlich treffen (Selbstbehalt).

Synonyme: Selbstbeteiligung, Eigenbehalt, Retention, Deductible.

Praxisrelevanz

Prüfen Sie, wer in Ihrem Vertrag den Selbstbehalt trägt: Sie persönlich oder die Gesellschaft. Ein Selbstbehalt der versicherten Person spart Beitrag, kann Sie im Ernstfall aber spürbar treffen. Achten Sie darauf, ob er je Versicherungsfall oder je Jahr gilt und ob er auch auf Abwehrkosten angewendet wird. Als Vorstand einer AG sollten Sie die Höhe Ihres Pflichtselbstbehalts kennen und entscheiden, ob Sie ihn privat absichern. Wie der Selbstbehalt in Ihrer D&O-Versicherung geregelt ist, steht im Versicherungsschein.

Praxisbeispiel

Der Vorstand einer kleinen Bau-AG mit einer festen Jahresvergütung von 120.000 Euro wird wegen einer Fehlinvestition auf 400.000 Euro in Anspruch genommen. Die D&O der AG sieht den gesetzlichen Mindestselbstbehalt vor.

Haftungsseite: Die AG muss den Schaden und ein möglicherweise pflichtwidriges Verhalten beweisen. Der Vorstand muss dann nachweisen, dass er sorgfältig gehandelt hat, etwa weil er die Investition auf angemessener Informationsgrundlage zum Wohl der Gesellschaft beschlossen hat (§ 93 Abs. 1 S. 2 AktG). Gelingt ihm das nicht, haftet er nach § 93 Abs. 2 AktG für den Schaden.

Deckungsseite: Der Selbstbehalt beträgt 10 Prozent, also 40.000 Euro, höchstens aber das Eineinhalbfache der Festvergütung, also 180.000 Euro. Der Vorstand trägt 40.000 Euro selbst, den Rest zahlt die D&O. Hat er eine eigene Selbstbehaltsversicherung, übernimmt sie diesen Anteil.

FAQ

Was ist ein Selbstbehalt in der D&O-Versicherung?

Ein Eigenanteil, den die versicherte Person oder das Unternehmen im Schadenfall selbst zahlt. Den darüber hinausgehenden Betrag übernimmt der Versicherer bis zur Deckungssumme.

Gilt der Pflichtselbstbehalt auch für GmbH-Geschäftsführer?

Nein. Die gesetzliche Pflicht gilt nur, wenn eine Aktiengesellschaft ihren Vorstand versichert. Bei der GmbH entscheiden die Beteiligten frei, ob und in welcher Höhe ein Selbstbehalt vereinbart wird.

Wie hoch ist der Selbstbehalt beim AG-Vorstand?

Mindestens 10 Prozent des Schadens. Die Obergrenze darf nicht unter dem Eineinhalbfachen der festen Jahresvergütung liegen. Höhere Selbstbehalte sind zulässig.

Kann ich meinen Selbstbehalt versichern?

Ja, über eine eigene Selbstbehaltsversicherung, die Sie selbst abschließen und bezahlen. Übernimmt die Gesellschaft den Beitrag, gilt das steuerlich als Arbeitslohn.

Senkt ein Selbstbehalt den Beitrag?

In der Regel ja, weil der Versicherer kleinere Schäden nicht oder nur teilweise trägt. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wer den Selbstbehalt im Ernstfall zahlen muss.

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