Objektbezogene Berufshaftpflichtversicherung (Objektversicherung)

Definition

Die objektbezogene Berufshaftpflicht ist eine projektbezogene Versicherungslösung für Architekten und Ingenieure. Sie wird für ein einzelnes Bauvorhaben abgeschlossen und deckt die Haftungsrisiken ausschließlich für dieses konkrete Projekt ab .


Erklärung / Hintergrund

Während die klassische Jahres-Berufshaftpflichtversicherung alle Projekte eines Büros innerhalb der Laufzeit absichert, konzentriert sich die objektbezogene Berufshaftpflicht auf ein bestimmtes Bauvorhaben. Sie eignet sich besonders für:

  • Projekte, die besonders groß oder risikobehaftet sind und gesonderten Schutz erfordern.
  • Projekte, bei denen sich mehrere Planungsbüros zusammenschließen, z.B. in Form einer ARGE.
  • ggf. für
    • Architekten mit nur wenigen Projekten im Jahr,
    • freiberufliche oder nebenberufliche Architekten/Ingenieure,
    • Beamte oder Angestellte, die gelegentlich freiberufliche Aufträge übernehmen.

Vorteil: Der Versicherungsschutz kann flexibel für ein einzelnes Objekt eingerichtet werden.
WIchtig: Nach Projektabschluss erlischt ggf. die Deckung. Es muss sichergestellt werden, dass die Nachhaftung oder eine Nachmeldefrist enthalten ist, um spätere Ansprüche (z. B. aus der 5-jährigen Gewährleistung) abzusichern.

Abgrenzung:

  • Objektbezogene Berufshaftpflicht → projektgebundener Schutz für ein Bauvorhaben.
  • Jahres-Berufshaftpflicht → kontinuierlicher Schutz für alle Projekte während der Vertragslaufzeit.
  • Ruheversicherung → inaktive Deckung, die nur bei einem Auftrag aktiviert wird.

Synonyme: Projektversicherung, projektbezogene Berufshaftpflicht.


Praxisrelevanz

Für Architekten und Ingenieure mit wenigen oder unregelmäßigen Projekten kann eine objektbezogene Berufshaftpflicht eine kostengünstige Alternative sein.

Besonders wichtig ist sie bei Projekten, für die Bauherren oder öffentliche Auftraggeber einen gesonderten Versicherungsnachweis verlangen oder bei Zusammenschlüsse von Büros (ARGE), um die durchlaufenden Jahresversicherungen nicht unnötig zu belasten. Hier kann die objektbezogene Berufshaftpflicht gezielt auf die geforderte Versicherungssumme und Projektdauer zugeschnitten werden.


Praxisbeispiel

Ein angestellter Architekt übernimmt nebenberuflich die Planung eines Einfamilienhauses. Da er keine laufende Jahres-Berufshaftpflicht besitzt, schließt er eine objektbezogene Berufshaftpflicht ab, die nur für dieses Bauvorhaben gilt. Zwei Jahre nach Fertigstellung treten Mängel auf. Dank eingeschlossener Nachhaftung sind die Ansprüche des Bauherrn über die projektbezogene Police abgesichert.


FAQ

Für wen ist die objektbezogene Berufshaftpflicht sinnvoll?

Für freiberufliche Architekten/Ingenieure mit wenigen Projekten, für Nebentätige oder bei Großprojekten mit speziellen Anforderungen.

Was ist der Unterschied zur Jahres-Berufshaftpflicht?

Die Jahresversicherung deckt alle Projekte während der Vertragslaufzeit ab, die objektbezogene nur ein bestimmtes Projekt.

Ist die Nachhaftung eingeschlossen?

Marktüblich ja, z. B. für fünf Jahre. Sie muss aber unbedingt im Vertrag geprüft werden.

Können Bauherren eine objektbezogene Berufshaftpflicht verlangen?

Ja. Besonders bei öffentlichen oder größeren Projekten wird oft ein gesonderter Nachweis gefordert.


Verwandte Begriffe


👉 Die objektbezogene Berufshaftpflicht ist eine flexible Lösung für einzelne Projekte. Sie bietet gezielten Schutz, ersetzt aber keine dauerhafte Jahresversicherung. Wenn Du wissen möchtest, ob für Dein Projekt eine objektbezogene Deckung sinnvoll ist, beraten wir Dich gerne.