Definition
Die Abgrenzung Vertrauensschadenversicherung und D&O klärt, welche Versicherung bei Betrug, Untreue oder Diebstahl im Unternehmen zuständig ist. Die Vertrauensschadenversicherung ersetzt dem Unternehmen eigene Schäden durch vorsätzliche Taten. Die D&O schützt Organmitglieder vor Haftungsansprüchen.
Erklärung / Hintergrund
Zweigt eine Mitarbeiterin Geld ab oder überweist die Buchhaltung auf eine gefälschte Anweisung an ein fremdes Konto, entsteht dem Unternehmen ein eigener Schaden. Für diesen Eigenschaden ist die Vertrauensschadenversicherung gedacht, im Markt auch Crime-Versicherung genannt. Sie leistet direkt an das Unternehmen, wenn Vertrauenspersonen wie Mitarbeiter, oft auch Organe, oder Dritte wie Betrüger und Hacker es vorsätzlich schädigen.
Die D&O funktioniert anders. Sie setzt voraus, dass ein Organ wegen einer Pflichtverletzung auf Schadenersatz in Anspruch genommen wird. Daraus ergeben sich zwei typische Konstellationen:
- Ein Mitarbeiter begeht die Tat: Die Vertrauensschadenversicherung kann den Schaden des Unternehmens ersetzen. Hat der Geschäftsführer die Kontrolle vernachlässigt, kann die Gesellschaft ihn zusätzlich wegen Organisationsverschulden in Anspruch nehmen. Dafür ist die D&O zuständig. Ist der Schaden bereits ersetzt, bleibt für einen Regress oft wenig übrig.
- Ein Organ begeht die Tat: Veruntreut der Geschäftsführer selbst Geld, leistet die D&O wegen des Ausschlusses für Vorsatz und wissentliche Pflichtverletzung nicht (Vorsatz- und Wissentlichkeitsausschluss). Die Vertrauensschadenversicherung kann den Schaden ersetzen, wenn Organe als Vertrauenspersonen mitversichert sind. Für beherrschende Gesellschafter gilt das oft nicht.
Ein Sonderfall ist der sogenannte Fake-President-Betrug, bei dem Täter sich als Geschäftsführer ausgeben und Mitarbeiter zu Überweisungen verleiten. Den Eigenschaden kann eine Vertrauensschadenversicherung tragen, wenn sie solche Täuschungen durch Dritte einschließt. Ob der Geschäftsführer wegen fehlender Freigaberegeln haftet, ist eine Frage für die D&O. Nach den D&O-Musterbedingungen gilt Geld zudem als Sache, sodass das Abhandenkommen von Geld nur erfasst ist, wenn der Vertrag das abweichend regelt.
Abgrenzung:
- Eigenschaden vs. Haftpflicht: Die Vertrauensschadenversicherung ersetzt den eigenen Schaden des Unternehmens. Die D&O deckt die Haftung eines Organs für einen Schaden.
- Vorsatz: In der Vertrauensschadenversicherung ist die vorsätzliche Tat gerade der Versicherungsfall (Vertrauensschadenversicherung). In der D&O ist Vorsatz ein Ausschlussgrund.
Synonyme: VSV und D&O, Crime und D&O.
Praxisrelevanz
Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen gegen Schäden durch Untreue, Betrug und Social Engineering abgesichert ist. Achten Sie darauf, ob Organe in der Vertrauensschadenversicherung als Vertrauenspersonen mitversichert sind. Führen Sie für Zahlungen ein Vier-Augen-Prinzip und klare Freigaberegeln ein, denn das schützt das Unternehmen und Sie persönlich vor dem Vorwurf mangelhafter Organisation. Wie Vertrauensschadenversicherung und D&O-Versicherung bei Ihnen zusammenwirken, sollte vor einem Schaden geklärt sein.
Praxisbeispiel
Eine Buchhalterin eines Planungsbüros überweist über drei Jahre 150.000 Euro auf eigene Konten. Ein Vier-Augen-Prinzip gab es nicht. Die Gesellschafter fragen, ob die Vertrauensschadenversicherung zahlt und ob sie den Geschäftsführer in Anspruch nehmen sollen.
Haftungsseite: Die Buchhalterin haftet für den gesamten Schaden. Der Geschäftsführer kann wegen der fehlenden Kontrolle nach § 43 GmbHG haften.
Deckungsseite: Die Vertrauensschadenversicherung kann den Eigenschaden der GmbH ersetzen und nimmt dann die Buchhalterin in Regress. Soweit sie nicht zahlt, etwa wegen eines Selbstbehalts oder einer Höchstsumme, kann die GmbH den Geschäftsführer in Anspruch nehmen. Ob die D&O dafür leistet, hängt auch davon ab, wie sie das Abhandenkommen von Geld behandelt.
FAQ
Was ist eine Vertrauensschadenversicherung?
Eine Versicherung, die dem Unternehmen eigene Schäden durch vorsätzliche Taten ersetzt, etwa Untreue, Betrug oder Diebstahl durch Mitarbeiter oder Dritte.
Was ist der Unterschied zur D&O?
Die Vertrauensschadenversicherung zahlt an das Unternehmen für dessen eigenen Schaden. Die D&O schützt Organmitglieder, wenn sie wegen einer Pflichtverletzung in Anspruch genommen werden.
Zahlt die D&O, wenn der Geschäftsführer selbst Geld veruntreut?
Für den Täter selbst in der Regel nicht, denn vorsätzliche Taten sind in der D&O ausgeschlossen. Mitgeschäftsführer, denen nur mangelnde Kontrolle vorgeworfen wird, bleiben versichert. Den Schaden des Unternehmens kann eine Vertrauensschadenversicherung ersetzen, wenn Organe dort mitversichert sind.
Ist Fake-President-Betrug versichert?
In vielen Vertrauensschadenversicherungen ja, wenn Täuschungen durch Dritte eingeschlossen sind. Die Bedingungen unterscheiden sich hier deutlich.
Brauche ich beide Versicherungen?
Sie decken unterschiedliche Risiken. Die Vertrauensschadenversicherung schützt das Vermögen des Unternehmens, die D&O das Privatvermögen der Geschäftsleitung.
Verwandte Begriffe
- D&O-Versicherung – die Versicherung der Organe im Überblick.
- Vermögensschadenhaftpflicht und D&O (Abgrenzung) – die Abgrenzung bei fachlichen Fehlern.
- Untreue – der Straftatbestand hinter vielen Vertrauensschäden.
- Cyberrisiken in der D&O-Versicherung – die Abgrenzung bei Angriffen von außen.
- Unternehmens-D&O – der Vertrag des Unternehmens für seine Organe.
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