Definition
Die Exzedentenversicherung ist eine zusätzliche D&O-Deckungsschicht, die erst leistet, wenn die Summe der darunterliegenden Grundversicherung verbraucht ist. Mit ihr lässt sich die Gesamtsumme erhöhen, ohne dass ein einzelner Versicherer das ganze Risiko trägt.
Erklärung / Hintergrund
Größere D&O-Summen werden oft nicht in einem Vertrag abgebildet. Stattdessen übernimmt ein Versicherer die Grundversicherung, und darüber legen sich ein oder mehrere Exzedenten. So entsteht ein sogenannter Insurance Tower. Jede Schicht beginnt dort, wo die darunterliegende endet. Diesen Punkt nennt man Attachment Point.
Wichtige Begriffe im Aufbau:
- Grundversicherung: Sie leistet zuerst und enthält das maßgebliche Bedingungswerk.
- Following Form: Die meisten Exzedenten folgen den Bedingungen der Grundversicherung. Abweichungen werden ausdrücklich vereinbart.
- Erschöpfung: Ein Exzedent leistet in der Regel erst, wenn die Grundversicherung ihre Summe tatsächlich gezahlt hat. Manche Bedingungen lassen auch Zahlungen anderer genügen. Lehnt der Grundversicherer ab, greift der Exzedent ohne besondere Regelung nicht.
- Mitversicherung: Teilen sich mehrere Versicherer eine Schicht anteilig, spricht man von Mitversicherung. Eine Führungsklausel bestimmt einen führenden Versicherer, der den Vertrag verwaltet und Erklärungen für alle entgegennimmt. Ob die übrigen Versicherer seinen Entscheidungen folgen, regeln weitere Klauseln. Jeder Mitversicherer haftet nur für seinen Anteil.
Eine besondere Form ist ein Exzedent, der nur einzelnen Personen zur Verfügung steht. Manche Unternehmen vereinbaren so ein Exzedenten-Limit für nicht-exekutive Organe, etwa für Aufsichtsrat oder Beirat. Ein solcher Exzedent kann als Side-A-Deckung mit Konditionsdifferenz gestaltet sein. Sie kann auch dann leisten, wenn die Grundversicherung nicht zahlt, soweit ihre eigenen Bedingungen den Fall erfassen.
Für die Zielgruppe der Planungsbüros reicht oft ein einzelner Vertrag. Exzedenten werden interessant, wenn die gewünschte Summe über das hinausgeht, was ein Versicherer allein zeichnet, oder wenn mehrere Gesellschaften und Organe abzusichern sind. Bei großen Unternehmen ist ein Tower aus mehreren Versicherern üblich. Für sie gelten oft auch die Sonderregeln für ein Großrisiko (§ 210 VVG), die mehr Spielraum bei der Vertragsgestaltung lassen.
Abgrenzung:
- Exzedent vs. Konditions- und Summendifferenzdeckung: Der Exzedent stockt die Summe auf und folgt in der Regel den Bedingungen des Grundvertrags. Die Konditionsdifferenz deckt zusätzlich weitere Bedingungen.
- Exzedent vs. Maximierung: Die Maximierung erhöht, wie oft die Summe im Jahr zur Verfügung steht. Der Exzedent erhöht die Summe selbst.
Synonyme: Exzedent, Excess Layer.
Praxisrelevanz
Prüfen Sie, ob die Deckungssumme Ihrer D&O für die größten denkbaren Ansprüche reicht, auch wenn mehrere Organe betroffen sind. Wenn nicht, kann ein Exzedent günstiger sein als eine Erhöhung der Grundversicherung. Achten Sie darauf, dass alle Schichten dieselben Bedingungen haben und nahtlos aneinander anschließen. Klären Sie, ob ein Exzedent auch greift, wenn der Grundversicherer ablehnt. Wie Ihre D&O-Versicherung aufgebaut ist, ergibt sich aus den Versicherungsscheinen aller Schichten.
Praxisbeispiel
Eine Ingenieurgruppe mit mehreren Tochtergesellschaften hat eine D&O-Grundversicherung über 5 Millionen Euro und einen Exzedenten über weitere 5 Millionen Euro. Nach einer gescheiterten Übernahme verlangt die Muttergesellschaft von ihren beiden Geschäftsführern 7 Millionen Euro.
Haftungsseite: Die Geschäftsführer haften der Muttergesellschaft nach § 43 Abs. 2 GmbHG als Gesamtschuldner, wenn sie die Übernahme ohne angemessene Informationsgrundlage betrieben haben. Die Gesellschafter müssen die Geltendmachung beschließen (§ 46 Nr. 8 GmbHG). Haben sie der Übernahme zuvor in Kenntnis der Risiken zugestimmt, scheidet eine Haftung in der Regel aus.
Deckungsseite: Die Grundversicherung zahlt bis zu 5 Millionen Euro. Nach den GDV-Musterbedingungen werden die Abwehrkosten darauf angerechnet. Hat sie im selben Jahr schon für andere Fälle gezahlt, steht entsprechend weniger zur Verfügung. Erst dann greift der Exzedent mit seinen Bedingungen, die in der Regel denen der Grundversicherung folgen. Lehnt der Grundversicherer etwa wegen eines Ausschlusses ab, leistet auch der Exzedent nicht, solange er keine abweichende Regelung enthält.
FAQ
Was ist eine Exzedentenversicherung?
Eine zusätzliche Deckungsschicht, die erst leistet, wenn die Summe der Grundversicherung verbraucht ist.
Was bedeutet Following Form?
Der Exzedent folgt den Bedingungen der Grundversicherung. Was dort versichert oder ausgeschlossen ist, gilt grundsätzlich auch für ihn.
Was ist ein Attachment Point?
Der Betrag, ab dem ein Exzedent leistet. Er entspricht meist der Summe der darunterliegenden Schichten.
Leistet der Exzedent, wenn die Grundversicherung ablehnt?
In der Regel nicht. Nur besondere Regelungen, etwa eine Side-A-Deckung mit Konditionsdifferenz, greifen auch dann.
Braucht ein Planungsbüro einen Exzedenten?
Meist nicht. Er wird sinnvoll, wenn die nötige Summe die Kapazität eines einzelnen Versicherers übersteigt.
Verwandte Begriffe
- Kosten der D&O-Versicherung – wie Summe und Schichten den Beitrag beeinflussen.
- Deckungssumme – die Summe der Grundversicherung.
- Konditions- und Summendifferenzdeckung – wenn auch abweichende Bedingungen gedeckt sein sollen.
- Jahreshöchstleistung – wie oft die Summe im Jahr zur Verfügung steht.
- Side A, Side B, Side C – der Exzedent nur für Organe.
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