Jahreshöchstleistung

  • Oktober 28, 2026

Definition

Die Jahreshöchstleistung ist die Obergrenze aller Leistungen des D&O-Versicherers innerhalb einer Versicherungsperiode. Sie begrenzt Schadenersatz und Abwehrkosten für alle Versicherungsfälle und alle versicherten Personen eines Jahres zusammen.


Erklärung / Hintergrund

Die Deckungssumme gilt für jeden einzelnen Versicherungsfall. Die Jahreshöchstleistung legt zusätzlich fest, wie viel der Versicherer in einem Jahr insgesamt zahlt. Nach den GDV-Musterbedingungen sind beide Grenzen gleich hoch. Die Versicherungssumme ist der Höchstbetrag für jeden Versicherungsfall und für alle Fälle einer Versicherungsperiode zusammen. Viele Marktbedingungen sehen eine höhere Jahreshöchstleistung vor, etwa das Zwei- oder Dreifache der Deckungssumme. Man spricht dann von einer zweifach oder dreifach maximierten Deckungssumme.

Für die Berechnung sind folgende Regeln wichtig:

  • Versicherungsperiode: Sie beträgt nach den GDV-Musterbedingungen ein Jahr, auch bei einem Dreijahresvertrag. Die Jahreshöchstleistung steht deshalb in jedem Vertragsjahr neu zur Verfügung.
  • Zuordnung nach dem Claims-made-Prinzip: Ein Versicherungsfall gehört in das Jahr, in dem der Anspruch erstmals schriftlich erhoben wird (Claims-made-Prinzip). Wann die Pflichtverletzung geschah, spielt dafür keine Rolle. Wurden die Umstände vorher gemeldet, zählt nach den GDV-Musterbedingungen das Jahr der Meldung.
  • Serienschaden: Mehrere Ansprüche aus derselben Pflichtverletzung oder aus zusammenhängenden Pflichtverletzungen desselben Sachverhalts gelten als ein Versicherungsfall. Er wird dem Jahr zugeordnet, in dem der erste Anspruch erhoben wurde. Die Serienschadenklausel verhindert so, dass ein großer Schaden auf mehrere Jahre verteilt wird.
  • Gemeinsame Summe: Alle versicherten Personen teilen sich die Jahreshöchstleistung. Dazu gehören auch die Organe mitversicherter Tochtergesellschaften und die Gesellschaft selbst, soweit sie ihr Organ freistellt und dafür Leistungen erhält.

Manche Bedingungswerke enthalten eine Kumulklausel. Sie stellt sicher, dass für einen Schaden, der mehrere Verträge desselben Versicherers berührt, die Summe nur einmal zur Verfügung steht. Andere sehen eine Wiederauffüllung der Versicherungssumme vor. Ist die Summe in einem Jahr verbraucht, steht sie für neue, nicht zusammenhängende Fälle in der Regel einmal erneut zur Verfügung. Manche Verträge beschränken die Wiederauffüllung auf bestimmte Personen oder Leistungen. Wie weit solche Regeln reichen, ist von Vertrag zu Vertrag verschieden.

Abgrenzung:

  • Jahreshöchstleistung vs. Deckungssumme: Die Deckungssumme begrenzt den einzelnen Fall. Die Jahreshöchstleistung begrenzt alle Fälle eines Jahres zusammen.
  • Jahreshöchstleistung vs. Sublimit: Ein Sublimit ist eine niedrigere Grenze für einzelne Bausteine. Es liegt innerhalb der Summe und erhöht sie nicht.

Synonyme: Jahreshöchstersatzleistung, Maximierung.


Praxisrelevanz

Prüfen Sie, wie oft die Deckungssumme Ihrer D&O im Jahr zur Verfügung steht. Bei mehreren Geschäftsführern, einem Beirat oder Tochtergesellschaften ist eine höhere Maximierung sinnvoll, weil mehrere Fälle zusammentreffen können. Das gilt besonders in einer Krise, wenn mehrere Anspruchsteller aus verschiedenen Gründen gleichzeitig Ansprüche erheben. Fragen Sie nach, ob der Vertrag eine Wiederauffüllung vorsieht. Welche Jahreshöchstleistung Ihre D&O-Versicherung bietet, steht im Versicherungsschein.

Praxisbeispiel

Eine Ingenieur-GmbH mit zwei Geschäftsführern hat eine D&O mit 1 Million Euro Deckungssumme, einfach maximiert. Nach einem Gesellschafterwechsel verlangt die GmbH auf Beschluss der Gesellschafter vom ersten Geschäftsführer 700.000 Euro wegen einer ungeprüften Beteiligung an einem Softwareanbieter. Wenige Monate später verlangt sie vom zweiten Geschäftsführer 500.000 Euro wegen eines überteuerten Bürokaufs, der damit nichts zu tun hat.

Haftungsseite: Beide Geschäftsführer haften nach § 43 Abs. 2 GmbHG, wenn sie ihre Entscheidungen ohne angemessene Informationsgrundlage getroffen haben.

Deckungsseite: Es handelt sich um zwei getrennte Versicherungsfälle in derselben Versicherungsperiode. Bei einfacher Maximierung steht für beide zusammen nur 1 Million Euro zur Verfügung, aus der auch die Abwehrkosten zu zahlen sind. Bei zweifacher Maximierung stünden bis zu 2 Millionen Euro bereit, je Fall aber höchstens 1 Million Euro. Hingen beide Ansprüche mit demselben Sachverhalt zusammen, wären sie ein Serienschaden, und die Maximierung würde nicht helfen. Sind die Geschäftsführer an der GmbH beteiligt, ist nach den GDV-Musterbedingungen der Teil des Anspruchs nicht versichert, der ihrer Quote entspricht.


FAQ

Was ist die Jahreshöchstleistung in der D&O?

Der Höchstbetrag, den der Versicherer für alle Versicherungsfälle eines Versicherungsjahres zusammen zahlt. Nach den GDV-Musterbedingungen gehören die Abwehrkosten dazu.

Was bedeutet zweifach maximiert?

Die Deckungssumme steht im Jahr zweimal zur Verfügung. Für einen einzelnen Fall gilt weiter nur die einfache Summe.

Gilt die Jahreshöchstleistung bei einem Dreijahresvertrag nur einmal?

Nach den GDV-Musterbedingungen nein. Die Versicherungsperiode beträgt ein Jahr, die Summe steht deshalb jedes Jahr neu zur Verfügung.

Wie werden Serienschäden zugeordnet?

Mehrere zusammenhängende Ansprüche gelten als ein Versicherungsfall. Er zählt in dem Jahr, in dem der erste Anspruch erhoben wurde.

Was ist eine Wiederauffüllung?

Eine Klausel, nach der eine verbrauchte Summe im selben Jahr für neue, nicht zusammenhängende Fälle erneut zur Verfügung steht. Sie ist nicht in allen Verträgen enthalten.


Verwandte Begriffe